
Bevor auch nur ein Euro investiert wird, steht fast immer dasselbe am Anfang: eine Excel-Tabelle. Manchmal chaotisch, manchmal glasklar strukturiert - aber fast immer da. Das hat einen guten Grund, denn die Kennzahlen, mit denen man Gewerbeimmobilien bewertet, verändern sich gerade spürbar: Aktuelle Cap-Rate-Spannen für 2026 liegen bei Industrieimmobilien zwischen 5,5 und 6,5 Prozent, bei Einzelhandel zwischen 6,5 und 7,5 Prozent und bei Büroimmobilien deutlich höher – bei 7,5 bis 9,5 Prozent. Wer diese Unterschiede nicht versteht, bewertet im Grunde blind.
Schritt 1: Die Grundlagen der Immobilienbewertung verstehen
Welche Kennzahlen wirklich wichtig sind
Wer Gewerbeimmobilien bewerten möchte, kommt an drei Begriffen nicht vorbei. Der Net Operating Income beschreibt den operativen Nettoertrag vor Finanzierung und Steuern, die Cap Rate setzt diesen Ertrag ins Verhältnis zum Kaufpreis, und die DCF-Methode zinst zukünftige Zahlungsströme auf den heutigen Wert ab. Zusammen ergeben sie ein Bild – aber eben nur zusammen, nicht einzeln. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet bei Realmo weiterführende Informationen und praxisnahe Beispiele zur Immobilienbewertung.
Warum keine Kennzahl alleine ausreicht
Eine attraktive Cap Rate klingt erstmal gut, sagt aber wenig über künftige Mietentwicklungen aus. Genau deshalb betrachten erfahrene Investoren mehrere Kennzahlen parallel, und interessanterweise zeigt sich gerade 2026 ein Markt, in dem sich die Cap Rates nach den turbulenten Jahren der Zinserhöhungen einigermaßen stabilisiert haben - bei Industrieimmobilien etwa pendeln sie seit Anfang 2024 um die 6 Prozent, nachdem sie zuvor von historischen Tiefstständen aus regelrecht nach oben geschossen waren.
Welche Daten benötigt werden
Ein belastbares Modell steht und fällt mit der Qualität der Eingabedaten - Mieteinnahmen, Betriebskosten, Leerstandsquoten, geplante Investitionen. Klingt banal, ist es aber nicht: Wer hier schlampt, bekommt am Ende eine Zahl, die zwar hübsch aussieht, aber mit der Realität wenig zu tun hat.
Schritt 2: Ein professionelles Excel-Modell aufbauen
Das Tabellenmodell strukturieren
Ein gutes Excel-Modell trennt Eingaben, Berechnungen und Ergebnisse klar voneinander, meist auf separaten Tabellenblättern. Das ist keine Frage der Ästhetik, sondern der Fehlervermeidung - wer alles durcheinander wirft, findet Tippfehler erst dann, wenn das Ergebnis schon völlig unplausibel geworden ist.
Eingabedaten sauber trennen
Annahmen gehören niemals direkt in Formeln eingebettet, sondern zentral erfasst. So lassen sich Szenarien in Sekunden durchspielen, statt jede Formel händisch anzupassen - ein Detail, das den Unterschied zwischen einem brauchbaren Modell und einer frustrierenden Bastelei ausmacht.
Formeln übersichtlich gestalten
Einfache, dokumentierte Formeln schlagen verschachtelte Monster-Berechnungen fast immer. Eine einheitliche Formatierung für Eingaben, Berechnungen und Ergebnisse hilft übrigens nicht nur beim eigenen Verständnis, sondern auch dann, wenn jemand anderes das Modell später prüfen oder übernehmen muss.
Schritt 3: NOI, Cap Rate und DCF berechnen
Net Operating Income (NOI) berechnen
Die Grundformel ist denkbar einfach:
NOI = Mieteinnahmen - Betriebskosten
Bei einer Jahresmiete von 500.000 USD und Betriebskosten von 150.000 USD ergibt sich ein NOI von 350.000 USD. Diese Zahl ist der Ausgangspunkt für praktisch jede weitere Berechnung im Modell.
Die Cap Rate berechnen
Cap Rate = NOI ÷ Kaufpreis × 100
Bei einem NOI von 350.000 USD und einem Kaufpreis von 5.000.000 USD ergibt sich eine Cap Rate von 7 Prozent. Eine höhere Cap Rate deutet zwar oft auf eine höhere Rendite hin, aber - und das wird gerne übersehen - auch auf höheres Risiko, weshalb Standort und Marktumfeld immer mitgedacht werden müssen.
Discounted Cash Flow (DCF) erstellen
Während NOI und Cap Rate eher eine Momentaufnahme liefern, blickt die DCF-Methode nach vorne. Ein einfaches DCF-Modell besteht aus vier Schritten:
- Prognose der jährlichen Cashflows
- Auswahl eines angemessenen Diskontierungszinssatzes
- Abzinsung aller zukünftigen Cashflows
- Addition der Barwerte zum Immobilienwert
Der übliche Diskontierungszinssatz für Immobilien liegt zwischen 6 und 12 Prozent, wobei die genaue Wahl stark vom Risikoprofil der Immobilie abhängt. In vielen Modellen wird zusätzlich ein voraussichtlicher Verkaufspreis am Ende des Betrachtungszeitraums berücksichtigt, der zusammen mit dem letzten Jahres-Cashflow abgezinst wird.
Schritt 4: Ergebnisse richtig interpretieren
Kennzahlen gemeinsam bewerten
Ein hoher NOI zeigt Ertragskraft, die Cap Rate ermöglicht den schnellen Marktvergleich, und DCF liefert die langfristige Perspektive. Keine der drei ersetzt die anderen - wer nur auf eine schaut, übersieht garantiert etwas Wichtiges.
Unterschiedliche Marktbedingungen berücksichtigen
Zinssätze bleiben 2026 der zentrale Ankerpunkt für Cap-Rate-Erwartungen, wobei sich die Spreads gegenüber risikofreien Renditen inzwischen deutlich stabiler zeigen als in den Vorjahren. Büroimmobilien stehen dabei weiterhin unter strukturellem Druck mit tendenziell steigenden Cap Rates, während Industrie-, Wohn- und Nahversorgungs-Einzelhandelsimmobilien vergleichsweise stabil bleiben. Ein Modell, das nicht regelmäßig aktualisiert wird, veraltet ziemlich schnell - gerade in einem Marktumfeld, das sich so uneinheitlich entwickelt.
Investmententscheidungen ableiten
Zahlen allein reichen nie. Standortentwicklung, Wettbewerb und Mietvertragsstruktur fließen genauso in eine fundierte Entscheidung ein wie das Rechenmodell selbst - die Tabelle liefert die Grundlage, nicht das letzte Wort.
Schritt 5: Typische Fehler vermeiden
Unrealistische Annahmen
Zu optimistische Mietsteigerungen oder dauerhaft niedrige Leerstandsannahmen verzerren das gesamte Modell, manchmal ohne dass es sofort auffällt. Realistische, marktbasierte Annahmen sind hier wirklich der einzige Schutz.
Betriebskosten falsch berücksichtigen
Instandhaltung, Verwaltung, Versicherungen, Rücklagen - gerade Einsteiger kalkulieren diese Posten gerne unvollständig, was den NOI künstlich aufbläht. Eine vollständige Kostenübersicht ist mühsam, aber unverzichtbar.
Nur auf die Cap Rate schauen
Eine Immobilie mit verlockender Cap Rate kann trotzdem erhebliche Investitionen erfordern oder in einem schwierigen Markt liegen. Deshalb kombinieren Profis grundsätzlich mehrere Bewertungsmethoden, statt sich auf eine einzige hübsche Zahl zu verlassen.
Schritt 6: Das Excel-Modell erweitern
Sensitivitätsanalysen erstellen
Ein professionelles Modell sollte zeigen können, wie sich Änderungen bei Mietsteigerungen, Leerstand oder Diskontierungszinssatz auf den Immobilienwert auswirken. Genau solche Analysen lassen sich in Excel gut simulieren, ohne die Basisstruktur des Modells zu verändern.
Szenarien vergleichen
Neben Einzelanalysen lohnt sich der Vergleich vollständiger Szenarien:
|
Szenario |
Annahmen |
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Best Case |
Höhere Mieten, niedriger Leerstand, stabile Kosten |
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Base Case |
Erwartete Marktentwicklung |
|
Worst Case |
Sinkende Mieten, höherer Leerstand, steigende Kosten |
Der Vergleich dieser drei Szenarien gibt ein realistischeres Bild der Chancen und Risiken, als es eine einzelne Prognosezahl je könnte.
Professionelle Auswertungen visualisieren
Diagramme und Dashboards machen komplexe Modelle greifbar - für einen selbst, aber vor allem für Investoren oder Finanzierungspartner, die nicht jede Formel im Detail durchgehen wollen. NOI-Entwicklung, Cap-Rate-Vergleich, Cashflow-Prognosen und Sensitivitätsanalysen gehören in ein solches Dashboard, idealerweise auf einen Blick lesbar.
Fazit
Wer Gewerbeimmobilien bewerten will, braucht mehr als eine einzelne Kennzahl oder eine schnell hingerotzte Tabelle. NOI, Cap Rate und DCF ergänzen sich gegenseitig, und gerade in einem Marktumfeld wie 2026 - mit stabileren, aber je nach Assetklasse deutlich unterschiedlichen Cap Rates - zahlt sich diese Sorgfalt aus. Excel bleibt trotz spezialisierter Software ein erstaunlich robustes Werkzeug, solange die Methodik stimmt und die Annahmen realistisch bleiben. Am Ende ist es genau diese Kombination aus klarer Struktur, ehrlichen Zahlen und regelmäßiger Aktualisierung, die aus einer einfachen Rechentabelle ein echtes Analyseinstrument macht.

