Excel Dashboard für Unternehmenskennzahlen 

Teil der Serie: Unternehmenskennzahlen mit Excel analysieren

In den ersten beiden Artikeln dieser Serie haben wir die operativen Liquiditätskennzahlen und das Bilanz-Scoring einzeln aufgebaut. Beide Bereiche liefern wertvolle Erkenntnisse, aber in der Praxis brauchen Geschäftsführer und Controller kein Dutzend Tabellenblätter, die sie einzeln durchklicken. Sie brauchen einen Blick auf das Wesentliche: Wo steht das Unternehmen gerade? Wo entwickelt sich etwas in die falsche Richtung? Und wo muss sofort gehandelt werden?

Genau das leistet ein Kennzahlen-Dashboard. Es führt die Ergebnisse aus der operativen Liquiditätsüberwachung und der Bilanzanalyse mit Scoring in einer einzigen Übersicht zusammen. Ergänzt um Sparklines für Trendverläufe, automatische Warnhinweise und optionale VBA-Automatisierung entsteht ein echtes Frühwarnsystem.

Aus Bankensicht ist ein solches Dashboard mehr als ein internes Steuerungsinstrument. Es zeigt, dass das Unternehmen seine Finanzkennzahlen aktiv überwacht und strukturiert aufbereitet. Das ist ein Qualitätsmerkmal, das im Ratingverfahren unter die qualitativen Bewertungsfaktoren fällt und die Gesamtbewertung positiv beeinflusst.

1. Architektur: Wie das Dashboard aufgebaut ist

Ein gutes Dashboard ist kein einzelnes Tabellenblatt mit hundert Formeln, sondern ein sauber getrenntes System aus Datenquelle, Berechnung und Darstellung. Diese Trennung macht das Dashboard wartbar, erweiterbar und nachvollziehbar.

Die Arbeitsmappen-Struktur

Die empfohlene Struktur besteht aus fünf Tabellenblättern:

TabellenblattFunktionQuelle
Rohdaten Bilanz, GuV und Cashflow-Daten für 3 bis 5 Jahre Jahresabschluss / BWA
Liquidität_operativ Rollierende 13-Wochen-Planung, Forderungsaltersstruktur, DSO, Zahlungseingangsquote Buchhaltung / OP-Liste
Scoring Sechs Bilanzkennzahlen, Punktwerte, Gewichtung, Gesamtscore Rohdaten-Blatt
Dashboard Zusammenfassung aller Kennzahlen mit Ampeln, Sparklines und Warnhinweisen Alle vorherigen Blätter
Methodik Dokumentation der Berechnungslogik, Schwellenwerte und Datenquellen Eigenständig


Das Methodik-Blatt wird oft vergessen, ist aber in der Praxis entscheidend: Wenn Sie das Dashboard im Bankgespräch vorlegen oder ein Kollege damit arbeitet, muss nachvollziehbar sein, wie jede Kennzahl berechnet wird und welche Schwellenwerte gelten. Warum Struktur bei der Zahlenaufbereitung wichtiger ist als das Ergebnis, erklären wir ausführlich auf Rating-Beratung.de.

Datenfluss

Die Daten fließen immer in eine Richtung: von links nach rechts, von den Rohdaten zum Dashboard. Kein Tabellenblatt schreibt zurück in ein vorheriges. Das Dashboard-Blatt enthält ausschließlich Bezugsformeln auf die anderen Blätter und eigene Darstellungslogik (Ampeln, Sparklines, Texte). Es berechnet selbst keine Kennzahlen. Dieses Prinzip verhindert Zirkelverweise und macht Fehlersuche einfach.

2. Das Dashboard-Layout: Was auf den Bildschirm gehört

Weniger ist mehr. Ein Dashboard, das alles zeigt, zeigt im Grunde nichts. Die Kunst liegt in der Auswahl und Anordnung. Bewährt hat sich eine Dreiteilung:

Bereich 1: Gesamtbewertung (oben)

Der obere Bereich zeigt die Gesamtlage auf einen Blick:

ElementInhaltFormel-Logik
Bilanz-Score Gewichteter Gesamtscore aus dem Scoring-Blatt (z.B. 3,70) =Scoring!Gesamtscore
Bilanz-Bewertung Textliche Einordnung (z.B. „Gut") =WENN(Score>=3,5;"🟢 Gut";WENN(Score>=2,5;"🟡 Durchschnitt";"🔴 Kritisch"))
Liquiditätsstatus Ampelwert aus der operativen Überwachung Zusammenfassung der vier Liquiditäts-Ampeln
Trend Pfeilsymbol für die Entwicklung gegenüber Vorjahr =WENN(Score>Score_Vorjahr;"▲";WENN(Score=Score_Vorjahr;"▶";"▼"))


Die Formel für den zusammengefassten Liquiditätsstatus zählt, wie viele der vier operativen Kennzahlen im roten Bereich liegen:

=WENN(ZÄHLENWENN(Ampelbereich;"🔴")>=2;"🔴 Kritisch";WENN(ZÄHLENWENN(Ampelbereich;"🔴")>=1;"🟡 Beobachten";"🟢 Stabil"))

Bereich 2: Einzelkennzahlen (Mitte)

Der mittlere Bereich zeigt alle Kennzahlen einzeln, jeweils mit aktuellem Wert, Ampel, Trend und Sparkline:

KennzahlAktuellVorjahrTrendAmpelSparkline
Bilanzstruktur
Eigenkapitalquote 32,0 % 30,0 % ▲ +2,0 Pp. 🟢 (Miniaturdiagramm)
Verschuldungsgrad 212,5 % 233,3 % ▲ -20,8 Pp. 🟡 (Miniaturdiagramm)
Anlagendeckung II 134,7 % 139,1 % ▼ -4,4 Pp. 🟢 (Miniaturdiagramm)
Ertragskraft
GK-Rentabilität 12,1 % 11,6 % ▲ +0,5 Pp. 🟢 (Miniaturdiagramm)
Umsatzrendite 5,1 % 4,9 % ▲ +0,2 Pp. 🟢 (Miniaturdiagramm)
Cashflow Marge 7,5 % 7,3 % ▲ +0,2 Pp. 🟡 (Miniaturdiagramm)
Operative Liquidität
Liquiditätsbestand (KW+4) 65.400 EUR     🟢  
DSO (Quartal) 42 Tage 39 Tage ▼ +3 Tage 🟢 (Miniaturdiagramm)
Forderungen > 60 Tage 10,0 % 8,2 % ▼ +1,8 Pp. 🟡 (Miniaturdiagramm)
Zahlungseingangsquote 91,2 % 94,8 % ▼ -3,6 Pp. 🔴 (Miniaturdiagramm)


Bereich 3: Warnhinweise und Handlungsbedarf (unten)

Der untere Bereich zeigt nur das, was akute Aufmerksamkeit erfordert. Er wird automatisch befüllt, basierend auf den Ampelwerten:

=WENN(Ampel_ZE_Quote="🔴";"⚠ Zahlungseingangsquote unter 95 %. Mahnwesen und Zahlungsziele prüfen.";"")

Für jede Kennzahl definieren Sie eine entsprechende Warnmeldung. Im Dashboard erscheinen nur die Meldungen, bei denen tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Ist alles im grünen Bereich, bleibt der Abschnitt leer. Das ist die beste Nachricht, die ein Dashboard liefern kann.

3. Sparklines: Trends auf kleinstem Raum

Sparklines sind Miniaturdiagramme, die direkt in einer Zelle dargestellt werden. Sie zeigen den Verlauf einer Kennzahl über die Zeit, ohne ein separates Diagramm zu benötigen. Für ein Dashboard sind sie ideal, weil sie den Trend sichtbar machen, ohne Platz zu verbrauchen.

Sparklines einfügen

In Excel ab Version 2010:

  1. Klicken Sie in die Zelle, in der die Sparkline erscheinen soll
  2. Einfügen → Sparklines → Linie
  3. Datenbereich: Die Jahreswerte der Kennzahl (z.B. Eigenkapitalquote 2022 bis 2025)
  4. OK

Gestaltungstipps

Hohen und niedrigen Punkt markieren: Sparklinetools → Entwurf → Häkchen bei „Hoch" und „Tief" setzen. So sehen Sie sofort, wann der beste und schlechteste Wert aufgetreten ist.

Farbe an Ampel anpassen: Verwenden Sie dieselbe Farblogik wie bei den Ampeln. Grüne Sparkline für Kennzahlen im guten Bereich, orange für „Beobachten", rot für „Kritisch". Die Formel dafür lässt sich nicht automatisieren (Sparkline-Farben sind keine berechneten Eigenschaften), aber Sie können sie manuell oder per VBA setzen.

Skalierung vereinheitlichen: Wenn Sie mehrere Sparklines nebeneinander haben (z.B. alle Bilanzkennzahlen), sollten sie nicht auf derselben Skala liegen, da die Wertebereiche stark unterschiedlich sind (Eigenkapitalquote 20 bis 40 %, Verschuldungsgrad 200 bis 300 %). Jede Sparkline behält daher ihre eigene Automatik-Skalierung.

4. Bedingte Formatierung: Das Dashboard visuell steuern

Neben den Ampelformeln mit Emoji-Symbolen können Sie zusätzlich bedingte Formatierung einsetzen, um den gesamten Dashboard-Bereich visuell zu steuern.

Farbige Hintergründe für Kennzahlenwerte

Markieren Sie die Zellen mit den aktuellen Kennzahlenwerten und legen Sie Regeln an:

Start → Bedingte Formatierung → Neue Regel → Formel zur Ermittlung der zu formatierenden Zellen

Beispiel für die Eigenkapitalquote (Wert in Zelle C8):

Grüner Hintergrund: =C8>=0,3
Gelber Hintergrund: =UND(C8>=0,2;C8<0,3)
Roter Hintergrund: =C8<0,2

Datenbalken für den Gesamtscore

Der Bilanz-Gesamtscore (Skala 1 bis 5) eignet sich hervorragend für einen Datenbalken:

Start → Bedingte Formatierung → Datenbalken → Weitere Regeln → Minimum: 1, Maximum: 5, Farbe: Blau

Der Datenbalken füllt die Zelle proportional zum Wert. Bei einem Score von 3,70 ist die Zelle zu 67,5 % gefüllt (=(3,70-1)/(5-1)). Das gibt dem abstrakten Zahlenwert eine sofort erfassbare visuelle Dimension.

Symbolsätze für Trendpfeile

Statt manueller Pfeilsymbole (▲▼) können Sie auch die eingebauten Symbolsätze von Excel nutzen:

Berechnen Sie die Veränderung zum Vorjahr als Dezimalwert in einer Hilfsspalte. Dann: Start → Bedingte Formatierung → Symbolsätze → 3 Pfeile (farbig) → Regeln anpassen: Grüner Pfeil ab 0,01, roter Pfeil unter -0,01, gelber Pfeil dazwischen.

5. VBA Automatisierung: Wiederkehrende Aufgaben eliminieren

In der täglichen Nutzung besteht der größte Zeitaufwand nicht in der Analyse, sondern in der Datenpflege: Offene-Posten-Liste exportieren, in Excel importieren, Formeln prüfen, Ergebnisse ablesen. Mit VBA lässt sich dieser Aufwand erheblich reduzieren.

Automatischer Datenimport aus CSV

Wenn Ihre Buchhaltung (DATEV, Lexware, Sage) einen regelmäßigen Export der offenen Posten als CSV liefert, können Sie den Import automatisieren:

Sub OP_Import()
Dim ws As Worksheet
Dim pfad As String

Set ws = ThisWorkbook.Sheets("Liquidität_operativ")
pfad = ThisWorkbook.Path & "\import\offene_posten.csv"

' Prüfen ob Datei existiert
If Dir(pfad) = "" Then
MsgBox "Import-Datei nicht gefunden: " & pfad, vbExclamation
Exit Sub
End If

' Bestehende OP-Daten löschen (ab Zeile 5, Spalte A bis F)
ws.Range("A5:F" & ws.Cells(ws.Rows.Count, 1).End(xlUp).Row).ClearContents

' CSV importieren
With ws.QueryTables.Add( _
Connection:="TEXT;" & pfad, _
Destination:=ws.Range("A5"))
.TextFileConsecutiveDelimiter = False
.TextFileSemicolonDelimiter = True
.TextFileDecimalSeparator = ","
.TextFileThousandsSeparator = "."
.Refresh BackgroundQuery:=False
.Delete
End With

MsgBox "Import abgeschlossen. " & _
ws.Cells(ws.Rows.Count, 1).End(xlUp).Row - 4 & " Datensätze importiert.", _
vbInformation
End Sub

Der Pfad zur CSV-Datei ist relativ zur Arbeitsmappe. Legen Sie einen Unterordner „import" an, in den Sie den Export aus der Buchhaltung ablegen. Der Makro-Aufruf erledigt den Rest.

Dashboard automatisch aktualisieren

Ein zentrales Aktualisierungs-Makro, das alle berechneten Bereiche neu durchrechnet und das Dashboard-Blatt aktiviert:

Sub Dashboard_Aktualisieren()
Dim ws As Worksheet

Application.ScreenUpdating = False
Application.Calculation = xlCalculationManual

' Alle Formeln neu berechnen
ThisWorkbook.Sheets("Liquidität_operativ").Calculate
ThisWorkbook.Sheets("Scoring").Calculate
ThisWorkbook.Sheets("Dashboard").Calculate

' Aktualisierungsdatum setzen
Set ws = ThisWorkbook.Sheets("Dashboard")
ws.Range("B1").Value = "Stand: " & Format(Now, "DD.MM.YYYY HH:MM")

Application.Calculation = xlCalculationAutomatic
Application.ScreenUpdating = True

' Dashboard anzeigen
ws.Activate
ws.Range("A1").Select

MsgBox "Dashboard aktualisiert.", vbInformation
End Sub


Automatische Warnung per E-Mail

Wenn eine Kennzahl den kritischen Bereich erreicht, kann VBA automatisch eine E-Mail senden. Das setzt voraus, dass Outlook auf dem Rechner installiert ist:

Sub Warnung_Senden()
Dim olApp As Object
Dim olMail As Object
Dim warntext As String
Dim ws As Worksheet

Set ws = ThisWorkbook.Sheets("Dashboard")
warntext = ""

' Prüfen ob kritische Werte vorliegen
If ws.Range("F18").Value = "🔴" Then
warntext = warntext & "- Zahlungseingangsquote kritisch: " & _
Format(ws.Range("C18").Value, "0.0") & " %" & vbCrLf
End If

If ws.Range("F16").Value = "🔴" Then
warntext = warntext & "- DSO kritisch: " & _
ws.Range("C16").Value & " Tage" & vbCrLf
End If

If ws.Range("F17").Value = "🔴" Then
warntext = warntext & "- Forderungen > 60 Tage kritisch: " & _
Format(ws.Range("C17").Value, "0.0") & " %" & vbCrLf
End If

' Nur senden wenn Warnungen vorliegen
If warntext = "" Then Exit Sub

Set olApp = CreateObject("Outlook.Application")
Set olMail = olApp.CreateItem(0)

With olMail
.To = "Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein."
.Subject = "Kennzahlen-Warnung: Handlungsbedarf"
.Body = "Folgende Kennzahlen haben den kritischen Bereich erreicht:" & _
vbCrLf & vbCrLf & warntext & vbCrLf & _
"Bitte prüfen Sie das Dashboard für Details." & vbCrLf & _
"Stand: " & Format(Now, "DD.MM.YYYY HH:MM")
.Send
End With

Set olMail = Nothing
Set olApp = Nothing
End Sub


Alles per Knopfdruck starten

Kombinieren Sie die Einzelmakros in einem zentralen Ablauf:

Sub Komplett_Aktualisieren()
Call OP_Import
Call Dashboard_Aktualisieren
Call Warnung_Senden
End Sub


Fügen Sie im Dashboard-Blatt eine Schaltfläche ein (Entwicklertools → Einfügen → Schaltfläche) und weisen Sie das Makro Komplett_Aktualisieren zu. Ein Klick genügt, um den gesamten Aktualisierungsprozess zu starten: Import, Berechnung, Warnung.

6. Das Dashboard im Bankgespräch einsetzen

Ein gut aufgebautes Kennzahlen-Dashboard ist eine der stärksten Unterlagen, die Sie in ein Bankgespräch mitnehmen können. Nicht weil die Bank die Excel-Datei sehen will, sondern weil es zeigt, dass Sie Ihre Zahlen im Griff haben.

Was Banken beeindruckt

Vollständigkeit: Alle relevanten Kennzahlen auf einen Blick, keine selektive Darstellung. Das signalisiert Transparenz. Warum ein Unternehmen trotz guter Zahlen schlechter bewertet werden kann, liegt oft an genau dieser fehlenden Vollständigkeit.

Mehrjahresvergleich: Die Entwicklung über 3 bis 5 Jahre zeigt, ob die aktuelle Lage ein Trend oder ein Einzelfall ist. Banken bewerten positive Trends deutlich besser als statisch gute Werte.

Plausibilität: Wenn Sie die Zahlen erklären können, wenn Sie wissen, warum die Eigenkapitalquote gestiegen oder die DSO gesunken ist, wirkt das professionell und vertrauenswürdig.

Proaktive Kommunikation: Wenn Sie dem Banker ein Dashboard zeigen, das auch negative Entwicklungen transparent ausweist, signalisiert das Souveränität. Das Gegenteil (nur gute Zahlen zeigen, schlechte verschweigen) wird von Banken sofort erkannt und negativ bewertet.

Empfohlene Aufbereitung für den Banktermin

  1. Drucken Sie das Dashboard-Blatt als PDF (eine Seite, Querformat)
  2. Ergänzen Sie ein separates Blatt mit Kommentaren zu allen Kennzahlen, die sich gegenüber dem Vorjahr verändert haben
  3. Fügen Sie den Branchenvergleich hinzu (aus Artikel 2)
  4. Bereiten Sie sich auf Rückfragen zu den Kennzahlen im roten oder gelben Bereich vor

Wie Sie sich gezielt auf ein Bankgespräch vorbereiten und welche Unterlagen darüber hinaus sinnvoll sind, erklären wir auf Rating-Beratung.de im Rahmen der Bonitäts- und Ratingberatung.

7. Typische Fehler beim Dashboard-Aufbau

Ein Dashboard entfaltet seinen Wert nur, wenn es richtig gebaut und gepflegt wird. Aus der Praxis kennen wir fünf Fehler, die regelmäßig auftreten:

Fehler 1: Zu viele Kennzahlen. Mehr als 12 bis 15 Kennzahlen auf einem Dashboard überfordern. Konzentrieren Sie sich auf die Kennzahlen, die tatsächlich Entscheidungen auslösen. Alles andere gehört auf Detail-Blätter.

Fehler 2: Keine klare Verantwortlichkeit. Wer aktualisiert das Dashboard? Wie oft? Wenn das nicht geklärt ist, veralten die Daten und das Dashboard verliert seinen Wert. Definieren Sie einen festen Rhythmus (wöchentlich für Liquidität, monatlich oder quartalsweise für Bilanzkennzahlen) und benennen Sie eine verantwortliche Person.

Fehler 3: Schwellenwerte nie anpassen. Die Warnschwellen, die Sie initial festlegen, sind Ausgangswerte. Nach 6 bis 12 Monaten Betrieb wissen Sie, welche Schwellenwerte für Ihr Unternehmen realistisch sind. Passen Sie sie an, sonst produziert das Dashboard entweder Daueralarme (zu eng) oder übersieht echte Risiken (zu weit).

Fehler 4: Datenqualität nicht prüfen. Ein Dashboard mit falschen Eingangsdaten erzeugt falsche Sicherheit. Integrieren Sie Plausibilitätsprüfungen (Bilanzsumme Aktiv = Passiv, Cashflow-Berechnung stimmt mit GuV überein) und machen Sie Fehler sichtbar, statt sie zu verstecken.

Fehler 5: Dashboard isoliert betrachten. Das Dashboard zeigt Symptome. Die Ursachenanalyse findet in den Detail-Blättern statt. Wenn die Zahlungseingangsquote rot ist, müssen Sie in die Forderungsaltersstruktur schauen, um zu verstehen, warum. Das Dashboard ist der Einstiegspunkt, nicht die Antwort.

8. KI Ausblick: Wo Automatisierung heute schon weitergeht

Die in diesem Artikel gezeigten VBA-Makros automatisieren den technischen Ablauf: Daten importieren, berechnen, darstellen, warnen. Was sie nicht leisten: die inhaltliche Interpretation der Zahlen. Genau hier setzt KI an.

Was heute bereits möglich ist

Automatisierte Kommentierung: KI-Modelle können die Kennzahlentwicklung analysieren und textliche Zusammenfassungen erzeugen. Statt selbst zu formulieren, warum die DSO gestiegen ist, generiert das System einen Entwurf, den Sie prüfen und anpassen. Das spart Zeit, vor allem bei der Vorbereitung auf Banktermine.

Anomalie-Erkennung: KI kann Muster in historischen Daten erkennen und ungewöhnliche Abweichungen flaggen, die ein regelbasiertes Ampelsystem übersieht. Beispiel: Die Zahlungseingangsquote liegt bei 93 % (gelb, nicht alarmierend), aber die Kombination aus sinkender Quote und steigender DSO bei gleichzeitig steigendem Umsatz ist ein Muster, das auf ein strukturelles Problem hindeutet.

Prognosemodelle: Auf Basis der historischen Kennzahlenentwicklung lassen sich Vorhersagen für die kommenden Quartale erstellen. Das ist hilfreicher als die einfache SCHÄTZER-Funktion in Excel, weil KI-Modelle nichtlineare Zusammenhänge und Saisoneffekte berücksichtigen können.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Die Technologie ist verfügbar und wird zunehmend erschwinglich. Für ein mittelständisches Unternehmen, das bereits ein strukturiertes Excel-Reporting betreibt, ist der Schritt zu KI-gestützter Analyse deutlich kleiner als für ein Unternehmen, das noch keine systematische Kennzahlenüberwachung hat. Das Dashboard, das wir in dieser Serie aufgebaut haben, ist damit nicht nur ein Endprodukt, sondern auch die Grundlage für weitergehende Automatisierung.

Wenn Sie diesen Schritt gehen möchten, unterstützen wir Sie mit individuellen Automatisierungslösungen: vom Excel-basierten Reporting über VBA-Automatisierung bis hin zu KI-gestützter Analyse. Mehr zu unserem KI-Automatisierungsangebot →

9. Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

Ein Blick genügt. Das Dashboard führt Bilanz-Scoring und operative Liquiditätskennzahlen in einer Übersicht zusammen. Maximal 12 bis 15 Kennzahlen, klar gruppiert nach Bilanzstruktur, Ertragskraft und Liquidität.

Trennung von Daten und Darstellung. Rohdaten, Berechnung und Dashboard auf getrennten Tabellenblättern. Keine Rückbezüge, keine Zirkelverweise, klare Datenflussrichtung.

Sparklines zeigen den Trend. Miniaturdiagramme in den Dashboard-Zellen machen die Mehrjahresentwicklung sichtbar, ohne ein separates Diagramm zu benötigen.

Warnhinweise nur bei Handlungsbedarf. Der Warnbereich zeigt nur Kennzahlen, die tatsächlich im kritischen Bereich liegen. Kein Rauschen, keine Informationsüberflutung.

VBA spart Zeit. Datenimport, Aktualisierung und E-Mail-Warnung lassen sich per Knopfdruck automatisieren. Der Aufwand für die regelmäßige Pflege sinkt auf wenige Minuten.

Das Dashboard überzeugt im Bankgespräch. Vollständigkeit, Transparenz und Mehrjahresvergleich sind genau die Qualitätsmerkmale, die Banken im qualitativen Rating positiv bewerten.

KI ist der nächste Schritt. Wer sein Reporting strukturiert in Excel aufgebaut hat, ist optimal vorbereitet für den Übergang zu KI-gestützter Analyse und automatisierter Kommentierung.

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Weiterführende Themen auf Rating-Beratung.de

Häufige Fragen

Brauche ich VBA Kenntnisse, um das Dashboard zu nutzen?

Nein. Das Dashboard funktioniert vollständig mit Standardformeln, bedingter Formatierung und Sparklines. Die VBA-Makros sind eine optionale Erweiterung für die Automatisierung. Sie können das Dashboard manuell befüllen und trotzdem den vollen Nutzen daraus ziehen.

Wie lange dauert es, das Dashboard aufzubauen?

Wenn Sie die Rohdaten aus Bilanz und BWA bereits strukturiert vorliegen haben und die Liquiditätsüberwachung aus Artikel 1 sowie das Scoring aus Artikel 2 aufgebaut sind, benötigen Sie für das Dashboard-Blatt selbst etwa 2 bis 4 Stunden. Die VBA-Automatisierung erfordert je nach Komplexität zusätzlich 4 bis 8 Stunden.

Kann ich das Dashboard auch auf Basis der BWA statt des Jahresabschlusses führen?

Ja, und für die unterjährige Steuerung ist das sogar empfehlenswert. Die BWA liefert monatliche Daten, während der Jahresabschluss nur einmal jährlich vorliegt. Beachten Sie, dass BWA-basierte Kennzahlen von den Jahresabschlusswerten abweichen können, vor allem bei Abgrenzungen, Abschreibungen und Rückstellungen. Führen Sie beide Perspektiven parallel: BWA-Werte für die laufende Steuerung, Jahresabschluss-Werte für den Mehrjahresvergleich und das Bankgespräch.

Wie aktuell sollten die Daten im Dashboard sein?

Für die operative Liquiditätsüberwachung (Endbestand, DSO, Forderungsaltersstruktur, Zahlungseingangsquote) empfehlen wir eine wöchentliche Aktualisierung. Die Bilanzkennzahlen und das Scoring werden quartalsweise oder halbjährlich auf Basis der BWA aktualisiert, und einmal jährlich auf Basis des Jahresabschlusses.

Kann ich das Dashboard für mehrere Gesellschaften oder Standorte nutzen?

Grundsätzlich ja. Für jede Gesellschaft oder jeden Standort legen Sie einen eigenen Satz Rohdaten-Blätter an. Das Dashboard-Blatt kann dann entweder konsolidierte Werte oder eine Auswahlliste (Dropdown) enthalten, über die Sie zwischen den Einheiten wechseln. Bei mehreren Gesellschaften empfiehlt sich allerdings eine individuelle Lösung, die wir gerne für Sie entwickeln.

Was kostet eine individuelle Dashboard-Lösung?

Das hängt vom Umfang ab. Ein Standard-Dashboard wie in diesem Artikel beschrieben lässt sich mit den bereitgestellten Vorlagen selbst aufbauen. Für individuelle Erweiterungen wie automatischen Datenimport aus DATEV, mehrstufige Warnlogik, konsolidierte Auswertungen oder KI-gestützte Kommentierung erstellen wir gerne ein Angebot. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder nutzen Sie das Kontaktformular.

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Sie möchten ein auf Ihre Datenquellen, Prozesse und Anforderungen zugeschnittenes Kennzahlen-Dashboard? Wir entwickeln individuelle Excel, VBA und KI-gestützte Lösungen für den Mittelstand.

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