Wer ein Unternehmen führt, trifft Entscheidungen auf Basis von Zahlen. Ob Investition, Kreditantrag oder Lieferantenverhandlung: Die Frage lautet immer, wie stabil das eigene Unternehmen wirtschaftlich aufgestellt ist. Genau diese Frage stellen sich auch Banken, Auskunfteien wie Creditreform und Geschäftspartner, wenn sie die Bonität eines Unternehmens bewerten.
Das Problem: Viele Unternehmen im Mittelstand kennen ihre eigenen Kennzahlen nicht gut genug. Die BWA wird vom Steuerberater erstellt, der Jahresabschluss einmal pro Jahr abgelegt. Was dazwischen passiert, bleibt oft unsichtbar. Und genau hier entsteht das Risiko: Liquiditätsengpässe, schleichende Eigenkapitalverluste oder steigende Forderungslaufzeiten werden erst erkannt, wenn es zu spät ist.
Excel ist das ideale Werkzeug, um Unternehmenskennzahlen regelmäßig zu berechnen, visuell aufzubereiten und kritische Entwicklungen frühzeitig sichtbar zu machen. In Kombination mit dem Wissen darüber, wie Banken und Auskunfteien genau diese Kennzahlen interpretieren, entsteht ein echtes Steuerungsinstrument für den Mittelstand.
In dieser Artikelserie verbinden wir beides: die praktische Umsetzung in Excel mit dem fachlichen Hintergrund aus der Bonitäts- und Ratingberatung. So verstehen Sie nicht nur, wie Sie eine Kennzahl berechnen, sondern auch, warum sie für Ihre Bonität relevant ist und welche Schwellenwerte in der Praxis eine Rolle spielen.
Der Einstieg: Alle Kennzahlen im Überblick
Sie möchten sich zuerst einen Gesamtüberblick verschaffen? Unser Grundlagenartikel zeigt alle wichtigen Formeln, Richtwerte und Bewertungsmaßstäbe auf einen Blick: Eigenkapitalquote, Liquiditätsgrade, Cashflow, Kapitaldienstfähigkeit und Mehrjahresvergleich. Ideal als Einstieg, bevor Sie in die einzelnen Themen tiefer einsteigen.
Zum Grundlagenartikel: Bonitätskennzahlen mit Excel berechnen und auswerten →
Die nachfolgenden Artikel bauen auf diesem Grundwissen auf und vertiefen die einzelnen Themenbereiche mit Praxis-Tools, Automatisierung und Download-Vorlagen.
Die drei Schwerpunktthemen im Detail
Jeder Artikel behandelt einen eigenständigen Themenbereich. Zusammen ergeben sie ein vollständiges System zur Analyse und Überwachung Ihrer Unternehmenszahlen.
1. Liquidität operativ überwachen
Über die reine Formelberechnung hinaus: Rollierende Liquiditätsplanung aufbauen, Forderungen nach Alter strukturieren, Zahlungseingänge kontrollieren und kritische Entwicklungen automatisch erkennen.
- Rollierende Liquiditätsvorschau (13 Wochen)
- Forderungsaltersstruktur und DSO Tracking
- Zahlungseingangsquote überwachen
- Automatische Warnschwellen mit bedingter Formatierung
Zum Artikel: Liquidität operativ mit Excel überwachen →
2. Bilanzanalyse mit Scoring System
Ein eigenes Bewertungssystem aufbauen, das Ihre Bilanzkennzahlen automatisch gewichtet und zu einem Gesamtscore verdichtet. Mit Zeitreihenvergleich und Brancheneinordnung.
- Gewichtetes Kennzahlen Scoring aufbauen
- Automatische Gesamtbewertung berechnen
- Mehrjahresvergleich mit Trendanalyse
- Branchenbenchmarks einordnen
Zum Artikel: Bilanzanalyse mit Scoring in Excel →
3. Dashboard und Frühwarnsystem
Alle Kennzahlen in einem übersichtlichen Dashboard zusammenführen. Mit automatischen Warnhinweisen, Sparklines und optionaler VBA Automatisierung.
- Kennzahlen Dashboard mit Ampelsymbolen
- Sparklines für Trendverläufe
- Automatische Warnhinweise
- VBA Automatisierung und KI Ausblick
Zum Artikel: Excel Dashboard für Unternehmenskennzahlen →
Warum Excel für die Kennzahlenanalyse?
Natürlich gibt es spezialisierte BI Tools und Controlling Software. Für viele Unternehmen im Mittelstand ist Excel aber nach wie vor das zentrale Arbeitsinstrument. Und das hat gute Gründe:
Bereits vorhanden. Excel ist in praktisch jedem Unternehmen verfügbar. Es braucht keine zusätzliche Softwarelizenz und keine Einführungsphase.
Flexibel anpassbar. Jedes Unternehmen hat eigene Kennzahlen, Bewertungsmaßstäbe und Berichtsstrukturen. Excel lässt sich exakt auf die eigenen Anforderungen zuschneiden.
Nachvollziehbar. Anders als bei Blackbox Systemen sehen Sie in Excel jede Formel, jeden Zellbezug, jede Bedingung. Das schafft Vertrauen in die eigenen Zahlen.
Automatisierbar. Mit VBA und zunehmend auch mit KI lassen sich wiederkehrende Auswertungen, Datenimporte und Berichtsläufe vollständig automatisieren.
Die Kennzahlen, die wir in dieser Serie aufbauen, sind dieselben, die auch Banken und Auskunfteien bei der Bonitätsbewertung von Unternehmen heranziehen. Der Unterschied: Sie berechnen sie selbst, Sie verstehen die Zusammenhänge und Sie erkennen Veränderungen, bevor es Dritte tun.
Was Banken und Auskunfteien bei Ihren Zahlen sehen
Ein häufiges Missverständnis: Viele Unternehmer glauben, dass ein guter Umsatz und schwarze Zahlen in der GuV automatisch für eine gute Bonität sorgen. In der Praxis ist das nicht so einfach.
Banken bewerten Unternehmen im Rahmen ihres internen Ratings anhand quantitativer Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Liquiditätsgraden und Kapitaldienstfähigkeit. Auskunfteien wie Creditreform ergänzen diese um qualitative Faktoren wie Zahlungsverhalten, Branchenrisiken und Unternehmensstruktur. Das Ergebnis ist ein Bonitätsindex, der darüber entscheidet, ob ein Kredit bewilligt, ein Lieferantenziel gewährt oder eine Geschäftsverbindung eingegangen wird.
Die Kennzahlen, die in dieser Artikelserie behandelt werden, sind exakt die Größen, auf die es dabei ankommt:
| Kennzahl | Relevanz für die Bonität | Artikel |
|---|---|---|
| Liquiditätsgrad 1 bis 3 |
Zeigt, ob das Unternehmen kurzfristige Verbindlichkeiten bedienen kann. Banken prüfen diese Werte bei jedem Kreditantrag. | Liquiditätskennzahlen → |
| Cashflow |
Entscheidend für die Kapitaldienstfähigkeit. Ohne ausreichenden Cashflow gibt es keine Kreditbewilligung. | Liquiditätskennzahlen → |
| Forderungslaufzeiten |
Steigende DSO Werte signalisieren Zahlungsprobleme bei Kunden und belasten die eigene Liquidität. | Liquiditätskennzahlen → |
| Eigenkapitalquote |
Die wichtigste Bilanzkennzahl für die Bonitätsbewertung. Unter 10 % wird es bei den meisten Bewertungssystemen kritisch. | Bilanzanalyse → |
| Verschuldungsgrad |
Zeigt das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital. Steigt er unkontrolliert, verschlechtert sich das Rating. | Bilanzanalyse → |
| Anlagendeckungsgrad |
Prüft, ob langfristiges Vermögen auch langfristig finanziert ist. Fristenkongruenz ist ein Kernkriterium im Bankrating. | Bilanzanalyse → |
| Gesamtkapitalrentabilität |
Misst die Ertragskraft des eingesetzten Kapitals. Dauerhaft niedrige Werte signalisieren strukturelle Probleme. | Bilanzanalyse → |
Wer diese Zusammenhänge kennt und seine Zahlen regelmäßig auswertet, hat einen echten Informationsvorsprung. Nicht nur gegenüber dem Wettbewerb, sondern auch im Dialog mit der eigenen Bank. Auf Rating-Beratung.de erklären wir ausführlich, wie die professionelle Aufbereitung von Unternehmenszahlen die Bonitätsbewertung konkret beeinflusst.
Für wen ist diese Artikelserie?
Diese Inhalte richten sich an alle, die Unternehmenszahlen nicht nur verwalten, sondern aktiv zur Steuerung nutzen wollen:
Geschäftsführer und Inhaber, die ihre finanzielle Lage eigenständig einschätzen und gegenüber Banken und Partnern argumentieren wollen.
Controller und kaufmännische Leiter, die ein praxistaugliches Reporting in Excel aufbauen oder verbessern möchten.
Steuerberater und Buchhalter, die ihren Mandanten neben dem Jahresabschluss auch ein Analyse und Steuerungstool anbieten wollen.
Unternehmen vor Kreditverhandlungen, die ihre Kennzahlen kennen und professionell aufbereiten wollen, bevor die Bank sie anfordert.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Zahlen aktuell aus Sicht externer Bewerter wirken, bietet der Bonitäts Selbstcheck auf Rating-Beratung.de eine erste Orientierung.
Excel Vorlagen und Downloads
Zu jedem Artikel der Serie stellen wir eine passende Excel Vorlage bereit. Die Vorlagen enthalten vorbereitete Tabellenstrukturen, Formeln und Formatierungen, sodass Sie direkt mit Ihren eigenen Zahlen arbeiten können.
Liquiditätsanalyse — Rollierende 13-Wochen-Planung, Forderungsaltersstruktur, DSO Tracking und Ampelsystem in einer Arbeitsmappe. (Verfügbar mit Artikel 1)
Bilanzanalyse und Scoring — Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad, Zeitreihenvergleich und gewichtetes Punktesystem. (Verfügbar mit Artikel 2)
Kennzahlen Dashboard — Alle Kennzahlen auf einen Blick mit Sparklines, Ampeln und Warnhinweisen. (Verfügbar mit Artikel 3)
Häufige Fragen
Welche Kennzahlen sind für die Bonität am wichtigsten?
Die Eigenkapitalquote, die Liquiditätsgrade und der Cashflow gehören zu den zentralen Kennzahlen, die Banken und Auskunfteien bei der Bonitätsbewertung heranziehen. Ergänzend spielen Forderungslaufzeiten, Verschuldungsgrad und Anlagendeckung eine Rolle. Eine vollständige Übersicht der Bewertungsfaktoren finden Sie hier.
Brauche ich VBA Kenntnisse für die Excel Vorlagen?
Nein. Die Grundfunktionen der Vorlagen basieren vollständig auf Standardformeln und bedingter Formatierung. VBA kommt nur im dritten Artikel (Dashboard) als optionale Erweiterung für die Automatisierung zum Einsatz. Die Vorlagen funktionieren auch ohne Makros.
Für welche Unternehmensgrößen sind die Vorlagen geeignet?
Die Vorlagen sind primär für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) konzipiert. Sie eignen sich für Unternehmen mit einer klassischen Bilanz und GuV Struktur. Für Einzelunternehmer mit Einnahmenüberschussrechnung sind die Bilanzkennzahlen nicht direkt anwendbar, die Liquiditätsanalyse jedoch schon.
Woher bekomme ich die Daten für die Analyse?
Die wichtigsten Datenquellen sind der Jahresabschluss (Bilanz und GuV), die monatliche BWA vom Steuerberater und die eigene Buchhaltung (Offene Posten, Zahlungseingänge). In den einzelnen Artikeln zeigen wir jeweils, welche Werte Sie benötigen und wo Sie sie finden.
Kann ich die Vorlagen an mein Unternehmen anpassen?
Ja, die Vorlagen sind bewusst offen aufgebaut. Sie können Kennzahlen ergänzen, Schwellenwerte für die Ampellogik anpassen und eigene Datenquellen einbinden. Wenn Sie eine individuell angepasste Lösung benötigen, bieten wir auch maßgeschneiderte Excel Programmierung an.
Wie hängen diese Kennzahlen mit meinem Creditreform Rating zusammen?
Creditreform bezieht die Jahresabschlusszahlen eines Unternehmens direkt in die Berechnung des Bonitätsindex ein. Eigenkapitalquote, Umsatzentwicklung, Ertragslage und Verschuldung fließen als quantitative Faktoren in die Bewertung ein. Wie Creditreform Unternehmenszahlen konkret bewertet, erklären wir hier.
Reicht Excel aus oder brauche ich professionelle BI Software?
Für die meisten KMU ist Excel mehr als ausreichend. Die Stärke liegt in der Flexibilität und der direkten Kontrolle über Formeln und Strukturen. BI Software lohnt sich erst, wenn sehr große Datenmengen aus mehreren Systemen zusammengeführt werden müssen. Unsere Vorlagen decken den typischen Analysebedarf im Mittelstand vollständig ab.
Weiterführende Themen auf Rating-Beratung.de
Die fachlichen Hintergründe zu Bonität, Rating und Unternehmensfinanzierung behandeln wir ausführlich auf unserem Fachportal Rating-Beratung.de. Hier eine Auswahl besonders relevanter Artikel:
- Eigenkapital verstehen: Bedeutung, Struktur und Wirkung auf Bonität und Rating
- Liquidität verstehen: Bedeutung, Kennzahlen und Wirkung auf Bonität und Rating
- Kapitaldienstfähigkeit verstehen und richtig einordnen
- Working Capital verstehen: Bedeutung, Kennzahlen und Wirkung auf Bonität und Rating
- Vergleichbarkeit der Zahlen über mehrere Jahre herstellen
- Warum Bonität für Unternehmen entscheidend ist

